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RENT - Lebe wie am letzten Tag
Die schicksalhafte Verpflechtung der Biografie Jonathan Larsons mit Rent
",Rent' erhebt auch das ,Anderssein', es verherrlicht Künstler und Gegenkultur als Notwendigkeit
für eine gesunde Gesellschaft." Jonathan Larson
Selten scheinen Gestalt, Entsehungs- und Wirkungsgeschichte so eng mit der Lebensgeschichte
seines Urhebers verknüpft wie im Falle von Jonathan Larson und RENT. Die Hingabe an seine
Arbeit, sein Ringen um das Werk und schließlich sein plötzlicher Tod machten RENT zu seinem
Lebenswerk, dessen Erfolg alle Erwartungen übertraf. RENT wurde zum Mythos, eine Hymne einer
Generation und eine Hommage an Freundschaft und Familie, in dem sich Tausende wiedererkannten.
Die Idee zu RENT hatte der Stückeschreiber Billy Aronson, als er auf der Flucht vor den chaotischen Lebensverhältnissen seines New Yorker Lebens in der Metropolitan Opera Puccinis "La Boheme" kennenlernte. Nach seinem Entschluss, eine Neufassung der Geschichte zu schreiben,
stieß er auf der Suche nach einem Komponisten im Frühjahr 1989 auf Jonathan Larson, der für Aronsons Idee Feuer und Flamme war. Zwar änderten sie die Einzelheiten, hielten sich in der
Handlung aber eng an die Opernvorlage. Dabei war es Larsons Wunsch, das Geschehen ins New
Yorker East Village, einem Mekka moderner Bohemiens, zu verlegen. "Die Ähnlichkeit zwischen
diesen Künstlern und ihrer Armut und dem New York der späten 80er beeindruckte mich. Die Zahl
der Obdachlosen nahm rapide zu, und überall um uns herum starben Menschen. Es gab Aids und
eine mangelnde Unterstützung der Künste seitens der Regierung." (Billy Aronson)
Schon in einem sehr frühen Stadium baute Jonathan Larson eine sehr persönliche Bindung zu
RENT auf , das Stück fand infolgedessen eine zunehmende autobiographische Prägung. Aids betraf nun zunehmend Jonathan Larsons eigenes Leben. Dies war auch der Moment, in dem Billy Aronson klar wurde, dass Jonathan Larson das Stück selbständig weiterführen musste, die Wege
der beiden trennten sich. Einige seiner Freunde infizierten sich mit der Krankheit und Larson begleitete sie zu Selbsthilfegruppen. Deren Philosophie, zu lernen mit der Krankheit zu leben, hatte
großen Einfluss auf RENT. "Ziel ist es, das bereits klischeehafte Stereotyp des ,Aids-Opfers' zu
vermeiden und zu betonen, dass A. Menschen mit Aids ein vollwertiges Leben führen können; B.
Aids jeden betrifft - nicht nur Homosexuelle und Drogenabhängige; C. in unserer desensibilisierten
Gesellschaft diejenigen, die um Leben und Tod ringen, oftmals intensiver leben als Mitglieder des
so genannten ,Mainstream'". (Jonathan Larson)
Auf der Suche nach einem geeigneten Aufführungsort entdeckte Larson 1992 den New York Theatre Workshop. Der künstlerische Leiter Jim Nicola sagte zu, das Stück weiterzuentwickeln, bestand aber auch auf Änderungen. Sein Anspruch bestand besonders darin, Popmusik zu verwenden. 1993 kam es zu einer konzertanten Aufführung, um Sponsoren und Geldgeber zu gewinnen,
allerdings mit mäßigem Erfolg. 1994 ließ sich schließlich eine Workshop-Aufführung finanzieren.
Regisseur Michael Greif und musikalischer Leiter Tim Weil veränderten das Stück in punkto Authentizität. Die zehn Workshop-Aufführungen wurden ein Publikumserfolg. Die Produzenten Jeffrey
Seller, Kevin McCollum und Allan Gordon entschlossen sich, das Stück herauszubringen.
Die Dramaturgin Lynn Thomson wurde in die Weiterentwicklung mit eingeschlossen. Nach Fertigstellung der Neufassung 1995 kam es zu einer konzertanten Präsentation, die allerdings immer noch
nicht überzeugen konnte, aufgrund des unfertigen Eindrucks. Greif und Nicola drohten mit der Verschiebung der Premiere, Larson musste sein Stück noch einmal überarbeiten, im Dezember 1995
übergab Larson dann seine revidierte Fassung dem New York Theatre Workshop - die Proben begannen. Am 24. Januar 1996 fand die umjubelnde öffentliche Generalprobe statt, in der Nacht
starb Jonathan Larson. Die wenig später vorgenommene Autopsie seiner Leiche ergab, dass Jonathan Larson an einem Aortenaneurysma starb, einer bei jungen Menschen seltenen Erkrankung.
Nach einer überschwänglichen Premieren-Rezension stiegen die Kartenanfragen und das Medieninteresse ins Unermessliche - man beschloss, RENT an den Broadway zu transferieren. "Wir
wollten nicht an den Broadway gehen, um Broadway-Stars zu werden; wir wollten die Scheißtüren
am Broadway auftreten, weil er überkommen und langweilig ist." (Daphne Rubin-Vega, Darstellerin
der Mimi) Am 29. April 1996 fand schließlichdie Broadway Premiere statt, die sensationelle Aufmerksamkeit erhielt, die Darsteller wurden über Nacht zu Stars. Rent wurde mit vier Tony Awards
ausgezeichnet, Larson posthum mit dem "Pulitzer Prize of Drama".
Bis 2008 wurde RENT in 5.123 Vorstellungen am Boadway gespielt, das ist die siebtlängste Laufzeit eines Musicals am Broadway aller Zeiten. Das Stück spielte in etwa 280 Mio. Dollar ein.
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